Krieg im Kongo

Kongo – Seit Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ nix gutes, was einem da in den Sinn kommt. Auch dank den Nachrichten der letzten Jahre sind es diffuse Bilder vom Krieg, von Vergewaltigungen, von bewaffnete Rebellen, die Coltan abbauen, das in unseren Handys landet. Kirsten Meuer und Désirée Ruppen haben beide einige Jahre in Entwicklungshilfeprojekten in der Demokratischen Republik Kongo gearbeitet und gelebt. Und brachten am Mittwochabend im vollen Koeppenhaus ein bisschen Licht in das diffuse Dunkel.

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(c) Andruś Krečka

Zwar wird im Kongo kein Krieg im herkömmlichen Sinn mehr geführt. Aber deswegen gibt es noch lange keinen Frieden. Zwischen 1996 und 2009 gab es drei Kriege mit mittlerweile etwa fünf Millionen Toten im Kongo. Kriegerische Handlungsweisen, Instrumente und Situationen haben sich eingeschlichen und in der Gesellschaft verankert. Morde, bewaffnete Überfälle und Vergewaltigungen sind Alltag. Die bewaffneten Rebellengruppen kämpfen nicht mehr aus politischen Gründen, der Kampf ist eher ein ökonomisches Modell, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die beiden Referentinnen haben gezeigt, wie sehr das mit der Nutzung von natürlichen Ressourcen und mineralischen Rohstoffen verbunden ist. Aus ehemaligen Soldaten werden Wilderer. Und Goldschürfer mit dem Gewehr. Aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit, auch wegen staatlicher und zivilgesellschaftlicher Initiativen, auch aus Europa und den USA, ist es gelungen immerhin den Coltanabbau um einiges zu entkriminalisieren. Das scheint wie ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass Veränderung möglich ist. Trotzdem bleibt nach dem Vortrag vor allem eine Idee davon wie sehr Krieg eine Gesellschaft prägt, wie lange Gewalt nachwirkt und wie schwer es ist, zu einer friedlichen Form von Normalität zu kommen.