„Frieden als zerbrechlich und kostbar wahrnehmen“

Interview mit Hanna zu den Entwicklungspolitischen Tagen

Warum überhaupt Krieg_Frieden?

Das Thema ist bei einer landesweiten Abstimmung des Eine-Welt-Landesnetzwerks ausgewählt worden. Wir in Greifswald haben dann überlegt, welche Veranstaltungen wir dazu anbieten können. So wichtig wir es finden, über Krieg und die Ursachen zu informieren, war uns klar, dass wir uns auf die Suche nach Friedenswegen fokussieren wollen.

Wo findet sich das in den Veranstaltungen wider?

Mein persönliches Highlight ist, dass wir das Ashtar Theater eingeladen haben. Ein Palästinenisches Theater das einerseits professionell als Theater arbeitet, aber auch pädagogische Angebote an Jugendliche macht. Und was die in Palästina machen, ist Friedensarbeit mit den Mitteln des Theaters. Ich bin sehr gespannt auf die Produktion, die hier mit Greifswaldern und Geflüchteten entstehen wird.

Ist das Thema nicht unheimlich bedrückend?

Ja, aber es ist auch sehr aktuell und beschäftigt alle. Um dem Thema die Schwere zu nehmen  haben wir versucht, Formate zu finden, die unterhaltsam sind und trotzdem tiefgründig. Das war gar nicht so leicht, die Nachrichtenlage hat uns ganz schön auf die Stimmung geschlagen. Aber es ist eine Party dabei, wir haben einen Chorabend, bei dem Lieder aus Kriegszeiten gesungen und passende Texte gelesen werden, es werden Filme gezeigt.

Und dann gehen alle nach Hause und sind erschüttert.

Unser Ziel ist, dass Leute nach Hause gehen und mehr wissen. Und, wenn es gut läuft auch noch eine Idee haben, dass es Sinn machen kann, selbst etwas zu bewegen, egal wie klein der Beitrag scheinen mag.

Aber was kann man von hier aus schon gegen einen Krieg ganz woanders auf der Welt machen?

Es ist ja nicht so, dass die von uns komplett losgelöst sind. Wenn wir über die Flüchtlingskrise reden oder über viele andere Missstände und Probleme in der Welt, vergessen wir oft, dass das alles auch mit uns zu tun hat. Darum laden wir so jemanden wie den Rüstungsgegner Jürgen Grässlin ein, der sagt: „Deutschland ist drittgrößter Exporteur von Kleinwaffen und liefert die auch in Kriegs- und  Krisenregionen.“ Oder wir lassen Menschen aus Greifswald zu Wort kommen, die aus eigenem Erleben berichten können. Zum Beispiel syrische Flüchtlinge. Oder eine Entwicklungshelferin, die im Kongo gearbeitet hat. Engagement hier macht schon Sinn. Wir haben auch eine Gruppe eingeladen, Cadus aus Berlin, die in Syrien eine Mobile Klinik aufbaut. Das ist natürlich nichts für jeden. Aber auch wenn die Veranstaltungen dazu beitragen, dass wir unseren Frieden hier nicht selbstverständlich, sondern eher als zerbrechlich und kostbar wahrnehmen, ist schon was geholfen. Oder wenn wir anders mit den Menschen umgehen, die aus dem Krieg zu uns kommen.