„Die sollen einfach zum Kämpfen in die Wüste gehen“

Greifswald. Kinder sagen ja bekanntlich, was sie denken. „Bist du auch ein Flüchtling?“ fragen sie Asmaa Aboukhaled, 16 Jahre alt, die ihnen zusammen mit Laura Armborst von der Bildungsinitiative verquer in der Greifswalder Stadtbibliothek das Buch „Bestimmt wird alles gut“ vorgelesen hatte. „Bist du in Syrien auch in die Schule gegangen?“, „Hast du auch Bomben gesehen?“, „Warum trägst du ein Kopftuch?“bestimmt-wird-alles-gutDie Geschichte von Kirsten Boie erzählt die Geschichte einer Familie, die vor dem syrischen Krieg nach Deutschland flieht – aus Sicht eines 10 Jahre alten Mädchens. Dass die Geschichte von Krieg und Bomben, tagelanger Bootsfahrt auf dem Mittelmeer, vom Ankommen ohne Ausweis und Papiere, von Aufnahmelager und Erstunterkunft nicht erfunden, sondern real ist, verstanden die Kinder schnell – dafür war Asmaa Aboukhaleds Anwesenheit der Beweis.

Die 7-12 Jahre alten Schüler*innen der Kollwitz-, der Greif- und Pestalozzischule, der Martin- und Montessorischule kamen zu den insgesamt vier Lesungen, stellten Fragen und überlegten gemeinsam, was sie in einen Rucksack packen müssten, wenn sie überstürzt das Land verlassen müssten. Viele würden ihre Kuschel- und Haustiere einpacken und hörten aufmerksam zu, als Asmaa Aboukhale von ihrer Katze erzählte, die sie in der Obhut ihrer Familie in Damaskus lassen musste.

„Ich fand es toll zu sehen, wie konzentriert die Kinder zugehört haben, wie sie an den spannenden Stellen mitgefiebert haben“, sagt Laura Armborst. Der Text wurde von animierten Bildern illustriert, die an die Wand geworfen wurden.

„Ich denke, dass die Kinder nun vielleicht ein bisschen verstehen können, dass es ihnen sehr gut geht. Dass sie hier im Frieden leben“, sagt Asmaa Aboukhaled. „Ich habe mich sehr gefreut, dass sie so offen sind und ihre Fragen einfach stellen. Die haben keine Angst, dass sie etwas falsches sagen könnten. Das ist bei Erwachsenen oft anders.“

Unter den Fragen waren auch solche, auf die es keine ausreichenden Antworten gibt: „Warum gibt es Krieg in Syrien?“ Asmaa Aboukhaled konnte zwar erklären, wie es zu dem Krieg kommen konnte, wer da gegen wen kämpft. „Aber es ist schon schwierig zu erklären, was man selbst nicht versteht“, sagte Laura Armborst: „Wieso dort so viele Menschen sterben müssen.“ Einen Lösungsvorschlag hatte ein Junge am Ende selbst geliefert: „Die sollen einfach in die Wüste gehen und da kämpfen!“ ruft er.

Die Lesungen fanden im Rahmen der Entwicklungspolitischen Tage 2016 statt und waren eine Kooperation der Stadtbibliothek mit der Bildungsinitiative Verquer.

Krieg_Frieden ist das Motto der 16. Entwicklungspolitischen Tage, einem Gemeinschaftswerk von 52 Initiativen in ganz Mecklenburg- Vorpommern. Vom 1. bis 22. November geht es in diesem Jahr um die Kriege in der Welt. Und um die Suche nach Frieden. 84 Veranstaltungen an 17 Orten eröffnen Zugänge zu komplexen, globalen Fragen. Was können wir ausrichten? Hier? Und weltweit? Die Entwicklungspolitischen Tage wollen helfen, Wege aus der Ohnmacht zu finden und Mut machen, sich einzumischen. Sie sind eine der größten Veranstaltungsreihen in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern koordiniert die Veranstaltungsreihe. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche, das Land Mecklenburg-Vorpommern, die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung und die Stiftung Nord-Süd-Brücken finanzieren die Entwicklungspolitischen Tage 2016.

Mehr unter: www.eine-welt-mv.de/ep-tage-2016/

Bild: Laura Armborst und Asmaa Aboukhaled (c) verquer

 

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