Was für ein Einsatz

Letzte Vorbereitungen und Abfahrt der SeawatchWährend draußen verkleidete Kinder um die Häuser zogen, gab Johannes Bayer, 27, am 31. Oktober im vollen Koeppenhaus einen kurzen, einen eigentlich sogar sehr kurzen Input zu seinen Erfahrungen auf der Sea Watch.

Dann kam eine lange Frage- und Diskussionsrunde in dem Johannes das Kunststück schaffte, wirklich umfassend zur antworten, ohne sich in Details zu verlieren und gleichzeitig immer wieder neue Anstöße für Nachfragen zu liefern.

Der Brandenburger Geschäftsmann Harald Höppner hat vor etwa einem Jahr einen 100 Jahre alten Fischkutter gekauft, um ihn umzubauen und damit Flüchtlinge auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten. Johannes Bayer wollte zwei Wochen bleiben, daraus wurden fünf Monate. Er hat auf dem Schiff gelebt, gearbeitet und während seiner Zeit an Bord mehrere 100 Geflüchtete vor dem Ertrinken gerettet.

Die Sea Watch war nie dazu gedacht, Flüchtlinge aufzunehmen, sondern leistete, im Mittelmeer angekommen, so genannte Ersthilfe. Die Crew sichtete Flüchtlingsboote in Seenot, häufig in katastrophalem Zustand, verteilte Schwimmwesten, kümmerte sich um kranke oder verletzte Flüchtlinge, evakuierte die anderen in Rettungsinseln und warte mit den Geflüchteten auf große Schiffe, wie die von Ärzte ohne Grenzen, für den Transport zum Land.

Johannes Bayer gab Einblicke in eine Initiative zwischen turbulenter Gründungs- und Etablierungsphase, auf einem Gebiet, für das es keine Anleitung, keine „richtige Methode“, kein Buch gibt. So ein Buch müsste „So rettet man 120 Menschen auf instabilen Kunststoffbooten“ heißen und es wäre komplett überflüssig, würde es eine Fähre zwischen Tripolis und Lampedusa geben.

Solange das nicht so ist und wir weiterhin dulden, dass sich Menschen auf kaum seetüchtigen Gefährten auf den Weg machen, sind wir auf Projekte wie das der Sea Watch und den Mut und den Einsatz von Menschen wie Johannes Bayer angewiesen. Danke dafür.

„Ihr Einsatz bitte! Engagement und Bürger*innenrechte“, so der Titel der diesjährigen Entwicklungspolitischen Tage in Mecklenburg-Vorpommern. Alle Veranstaltungen der Reihe in Greifswald hier.