STRAZE, Jahresrückblick 2016

 2016 ist rund um die STRAZE viel passiert. Wir bauen jetzt! Und sind sowohl beim Bauen, der Finanzierung und in unserer inhaltlichen Arbeit große Schritte voran gekommen.


BAUEN

Pünktlich zu unserer Gesellenbaustelle und nachdem wir die Bauplanung im Frühjahr endgültig abgeschlossen hatten, trudelte Ende Juli die Teilbaugenehmigung bei uns ein. Das war der Startschuss für einen heißen Bausommer. Bis zu 100 Gesellen arbeiteten sechs lange Wochen an Dachstuhl, Decken, Wänden und Türen. Sie tauschten Deckenbalken aus, wo dies nötig war. Selbst geschmiedete Maueranker wurden eingesetzt, um die Deckenbalken mit den Außenwänden zu verbinden. Altes verrottetes Fachwerk wurde aus den Wänden geholt, um durch Mauersteine ersetzt zu werden. Im Treppenhaus der Nummer 10 ist sogar eine Wand zum Teil ganz ausgetauscht worden. Auf dem Grundstück ist ein Lehmbackofen nebst dazugehörigem Fachwerkbackhaus entstanden. Seit dem ist schon das ein oder andere Brot oder auch Pizza gebacken worden. Mehrere historische Türen wurden überarbeitet und für die Haupteingangstür gar eine ganz neue Pforte gebaut. Es war so voll und trubelig auf unserem sonst oft eher verschlafenen STRAZE-Grundstück, dass wir zuweilen drohten den Überblick zu verlieren. Aber: Immer wenn wir aus dem Chaos auftauchten, war zu sehen: WOW, es ist vorangegangen!  Die Zeit der Gesellenbaustelle war nicht nur arbeitsintensiv, sondern auch sehr, nun ja, gesellig. Die Abende waren Feierabende – im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit dem Sommer arbeiten verschiedene Baukollektive und Baufirmen in enger Abstimmung mit uns und dem Architektenbüro an Dachstuhl und Konstruktion. Hier wurden auch Balken ausgetauscht und allem mehr Halt gegeben. Zwei große Gauben wurden im Dachgeschoss neu aufgebaut. Dort wo der Dachstuhl bereits ertüchtigt wurde, arbeitet eine Dachdeckerfirma daran, das Haus neu einzudecken. Dafür wurden die alten Ziegel und die alte Lattung heruntergenommen und durch eine Dämmschicht aus ökologischen Holzfaserplatten und eine neue Lattung ersetzt. Die Deckung mit neuen Biberschwänzen erfolgt dann in diesem Jahr. Auch das Dach des Turms wurde neu gebaut, nachdem hier zunächst die Wände ertüchtigt werden mussten. 

Zwei Maurerfirmen haben bis zum Jahresende vollendet, was durch die Gesellen während der Sommerbaustelle bereits begonnen wurde und im Obergeschoss der Nr. 11 sowie im Turm sämtliche Holzbalken des alten Fachwerks aus den Wänden genommen und durch Ziegel ersetzt. Auch ein Ringanker wurde jeweils auf die Mauer des Erd- sowie Obergeschosses gesetzt. Im gleichen Zuge wurden die ursprünglichen Fensteröffnungen wiederhergestellt. Nachdem mir mit vielen helfenden Händen über mehrere Wochen den alten Boden aus dem Saal entfernt und auf ungefähr 70 cm ausgehoben haben, wurde zum Jahresende hin eine stahlbewehrte Bodenplatte gegossen, die zuvor nach unten hin mit einer Schicht Schaumglasschotter isoliert wurde. Den Kampf gegen den Hausschwamm hat eine spezielle Firma aufgenommen und injiziert in viele viele gebohrte Löcher ein Imprägnierung gegen den Schwamm.

Wir selbst bauen auch: Fast jeder Freitag in diesem Jahr war ein besonderer – Baufreitag! Das Konzept: alle, die Lust und Zeit haben, kommen zum gemeinsamen Racken ins Haus. Ha, Fitness-Studio gespart!


FINANZEN und STRUKTUR

Auch was die Finanzen betrifft haben wir einige Meilensteine erreicht. Das Neuland Programm der Bosch-Stiftung fördert den Aufbau unserer Bildungsarbeit mit insgesamt 50.000 Euro. Und die Bundesregierung unterstützt uns mit 425.000 Euro aus ihrem Denkmalschutzprogramm.

Bereits 2015 hatte uns das Bundesfamilienministerium 200.000 Euro für barrierefreies Wohnen zugesagt – Anfang September hat Manuela Schwesig, Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend uns in der STRAZE einen Besuch abgestattet, um sich persönlich einen Eindruck von dem Projekt zu verschaffen.

Seit Juni sind wir offiziell Mitglied im Mietshäusersyndikat – damit die STRAZE auch auf lange Sicht ein öffentlicher Ort bleibt, der dem Gemeinwohl dient – und nicht mehr Teil der Privatwirtschaft werden kann.


WIR und IHR

Zum dritten Mal haben wir uns an der bundesweiten Aktion des Tags des offenen Denkmals beteiligt. In diesem Jahr zum Thema „Gemeinsam Denkmale erhalten“ – natürlich fiel uns dazu eine Menge ein, das war schließlich genau unser Thema!

Bei vier großen Subbotniks – unseren traditionellen Arbeitseinsätzen für alle am Samstag – haben viele Greifswalder Schweiß gelassen. Egal ob Januar, Mai, Oktober oder November: Wände wurden eingehauen, Böden hoch genommen, Schutt weggetragen und durch Schuttrutschen gejagt. Dabei wurden immer mal wieder Papier- und Zeitungsschnipsel aus vergangenen Zeiten gefunden, die wir archiviert haben, damit sie später nochmal richtig zur Geltung kommen können.

Im Mai hatten wir eine Idee, die uns viele neue Freunde und schöne Nachmittage bescherte. Beim AKTIONsmittwoch (jeder 1. Mittwoch im Monat, im Sommer auch noch jeder 3.) stand so einiges auf dem Programm: Hochbeet bauen, Rollrucksäcke zusammen mit der Kabutze nähen, eine Tee-Tipp-Veranstaltung mit Turbina Pomerania, STRAZElade und Gemeinschaftskompott einkochen und weihnachtliche Gemütlichkeit am Lagerfeuer mit Musik und Punsch. Schön! Damit geht’s auf jeden Fall weiter in 2017!


BILDUNG

Auch 2016 haben viele engagierte Leute bei verquer Bildungsarbeit zu Themen globaler Gerechtigkeit gemacht, die Freiwilligendienstinitiative Pomerania hat sich als Träger weiter etabliert. Mittlerweile werden 14 Menschen von Pomerania betreut, die in Einsatzstellen in der Region ihren Freiwilligendienst leisten. Fünf von ihnen sind direkt bei uns aktiv.  Darunter sind auch Geflüchtete, sowie bereits die zweite Person, die in Kooperation mit unserer polnischen Partnerorganisation „Polites“ aus Polen nach Greifswald gekommen ist. Die von uns in Greifwald koordinierten Entwicklungspolitischen Tage 2016 hatten das leider sehr aktuelle Thema „Krieg und Frieden“ und 24 Veranstaltungen in Greifswald haben aufgerüttelt, nachdenklich gemacht und mobilisiert.


 STADT UND LAND

Mitgenommen hat uns die Landtagswahl Anfang September. Gerade in Vorpommern, rund um Greifswal,d hat die AfD Direktmandate gewonnen. Wir wollen uns weiter für eine offene, demokratische Gesellschaft einsetzen. Und mehr Menschen für unsere Art mit Unzufriedenheit und Ängsten umzugehen gewinnen: Zivilgesellschaftliches Engagement! Nicht zuletzt dafür soll die STRAZE der Ort sein.

Für uns besonders schön: Im November hat sich die Bürgerschaft mit nur fünf Gegenstimmen dafür ausgesprochen, die STRAZE ein zweites Mal ins Rennen für einen Antrag für das Programm des Nationale Projekte des Städtebaus zu schicken – wir sind dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung!