Atomausstieg und Robert Jungk: Besuch aus Japan für das Kultur- und Initiativenhaus

Die Journalistin Yoko Yamamoto aus Hiroshima hat sich im Rahmen einer vierwöchigen Europarecherchereise am Freitagnachmittag mit Akteuren des Kultur- und Initiativenhauses in Greifswald getroffen. Denn: In Hiroshima ist Robert Jungk ein bekannter Mann. Und der Verein Kultur- und Initiativenhaus hatte im Mai Jungks persönliche Bibliothek gekauft und aus Salzburg nach Greifswald gebracht.

Atomausstieg und Robert Jungk: Besuch aus Japan für das Kultur- und Initiativenhaus

Journalistin Yoko Yamamoto aus Hiroshima

Von den 7000 Bänden des Zukunftsforschers, Friedens- und Anti-Atomaktivisten Jungk war bei dem Gespräch nicht viel zu sehen – die lagern bis zur Fertigstellung geeigneter Räume im Keller des Kreisdiakonischen Werks. Stattdessen drehte sich das Gespräch im Büro des Kultur- und Initiativenhauses in der Langen Straße um Atomausstieg, Endlagersuche, Castortransporte, Robert Jungk und seine Bibliothek und die Antiatombewegung in Japan und Deutschland. Nadia Tegtmeyer, Thomas Schmidt und Michael Steiger äußerten ihre Zweifel daran, dass es einen transparenten und demokratischen Prozess bei der Suche nach einem Endlager geben wird und ihren Ärger darüber, dass immer noch weiter Atommüll produziert wird, auch ohne sichere Lagermöglichkeit. „Konsequenterweise müsste man alle Atomkraftwerke sofort abschalten, um nicht noch mehr Müll zu produzieren, für den wir nie ein sicheres Endlager finden werden. Zu einem ehrlichen Atomausstieg gehört auch die Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen und der Wiederaufarbeitungsanlage in Gronau, die nach wie vor eine internationale Teilhabe an der Nutzung von Atomkraft bedeuten“, sagt Nadia Tegtmeyer, die auch im Anti Atom Bündnis Nordost aktiv ist. Michael Steiger wies außerdem auf die geplanten polnischen Atomkraftwerke nahe der deutschen Grenze hin.

„In Japan denkt man, dass Deutschland alle Probleme mit der Atomkraft bereits gelöst hat“, sagte Yoko Yamamoto. „Vielleicht ist meine Aufgabe als Journalistin, darauf hinzuweisen, dass das nicht so ist.“ Für ihre 30-teilige Artikelserie besuchte die Journalistin auf Einladung der Bundesregierung neben dem Kultur- und Initiativenhaus unter anderem auch Greenpeace, das Bundesumweltministerium, den Deutschen Bundestag, die Energiewerke Nord und das Bundesamt für Strahlenschutz. Zuvor hatte sie bereits Einrichtungen und Vereine in Großbritannien und Frankreich besucht. „Wir hoffen über Frau Yamamoto auch langfristig Kontakte nach Japan knüpfen zu können“, sagte Thomas Schmidt. „In unserem Gespräch kam die Idee auf, zukünftig eine*n Freiwillige*n aus Japan bei uns aufnehmen zu können.“

Der Verein Kultur- und Initiativenhaus ist unter anderem Träger des Greifswalder Bildungsprojekts Verquer und hat im Dezember 2013 nach langjährigen Bemühungen das Gesellschaftshaus Greif, genannt „Straze“, in der Stralsunder Straße 10/11 gekauft und ist dabei das Haus zu sanieren um dort einen Ort für gemeinschaftliches Wohnen, Kultur und Bildung einzurichten.

Die persönliche Bibliothek von Robert Jungk soll ihren Platz in diesem Haus finden. Sie wurde mit Unterstützung der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) gekauft und nach Greifswald gebracht. Die Bibliothek mit ihren 7000 Bänden soll unter anderem in der Bildungsarbeit des Vereins eingesetzt, aber auch öffentlich zugänglich gemacht werden.

Yoko Yamamoto, 38 Jahre schreibt für die Tageszeitung Chugoku Shimbun aus Hiroshima (Auflage 650.000) und begleitet vor allem die öffentliche Auseinandersetzung um die zivile Nutzung.

Besuch von Prof. Dr. Fumikazu Yoshida (Hokkaido Universität), Frau Haruyo Yoshida und Herrn Botschaftsrat Masanobu Kimura am 16. Oktober

Prof. Dr. Fumikazu Yoshida (Hokkaido Universität), Frau Haruyo Yoshida und Herrn Botschaftsrat Masanobu Kimura, Rosmarie Poldrack (BI Kernenergie)

Nachtrag:

Mit dem Besuch von Prof. Dr. Fumikazu Yoshida (Hokkaido Universität), Frau Haruyo Yoshida und Herrn Botschaftsrat Masanobu Kimura am 16. Oktober haben wir die Kontakte nach Japan aus Anlass des Erwerbs der Robert Jungk Bibliothek fortführen können.