STRAZE ist Neulandgewinnerin

Die STRAZE ist mit ihrem Projekt „zusammen.halt.bauen“ eine von über 50 Neulandgewinner*innen, eines Programms der Robert Bosch Stiftung, das lokale Initiativen in Ostdeutschland nunmehr in der dritten Runde fördert. Die STRAZE hat 44.500 € Unterstützung zugesagt bekommen, mit der die Bildungsarbeit im Haus angeschoben wird.

Ein Interview mit Nadja Tegtmeyer von der STRAZE, die das Projekt koordiniert.

Nadja, womit gewinnt ihr „Neuland“?
Wir planen für 2017 und 2018 jeweils sieben Workshops, in denen wir mit interessierten Leuten Techniken ausprobieren wollen, um ökologisch zu bauen. Da geht es z.B. um Lehmputz, ökologische Wandfarben, Dämmung, Holzfußböden, den Bau von Solarduschen oder Strohballenhäusern.

Ist das für Vorpommern etwas Ungewöhnliches?
Mein Eindruck ist, dass insgesamt nur wenige Leute wissen, welche Möglichkeiten es gibt, ökologisch zu bauen. Und dass es große Vorurteile gibt, dass es viel teurer ist, zum Beispiel. Es gibt nur vereinzelt mal Kurse oder Workshops zu diesen Themen hier in der Gegend. Insgesamt ist das Thema sehr unterrepräsentiert, v.a. auch in der Altbausanierung.

Wir möchten mit der Sanierung der STRAZE aufzeigen welche Möglichkeiten es gibt und Leute ermutigen sich ökologischen Baustoffen zu öffnen und Erfahrungen in unseren Workshops zu sammeln. Die Teilnehmer*innen haben außerdem die Möglichkeit eigene handwerkliche Fähigkeiten zu entdecken oder zu erweitern.

Warum sollten Leute da mitmachen wollen?
Zum einen denken wir, dass es viele Leute gibt, die Interesse daran haben sich Handwerkstechniken anzueignen, mit denen sie sonst in ihrem Alltag nicht viel Berührung haben und sich somit auch ein Stück Autarkie erobern. Zum anderen ist es eine gute Möglichkeit etwas Neues zu lernen, Vor- und Nachteile des ökologischen Bauens zu entdecken und dabei gleichzeitig die STRAZE zu unterstützen.

Was ist denn der Vorteil an ökologischen Bauweisen?
Der wichtigste Vorteil liegt auf der Hand: beim Bauen mit ökologischen Baustoffen wird die Umwelt insgesamt weniger belastet. Für viele spielt auch eine Rolle, dass ökologische Bauten ein besonders angenehmes Raumklima haben. Und man hat hinterher weniger Schadstoffe in seinen Wohn- und Arbeitsräumen.

Auch die Verarbeitung der Materialien ist oftmals angenehmer und weniger gesundheitsbelastend.

Mit einem guten Energiekonzept lässt sich eine Menge Geld sparen.

Was entsteht während der Workshops?
Innerhalb unserer Bildungsangebote ist uns u.a. wichtig, dass etwas Bleibendes entsteht und nicht am Ende Dinge wieder rückgebaut werden müssen. Bei der Grundsanierung eines großen Hauses gibt es unendlich viele Baumaßnahmen, die sich auch für Workshops eignen. Wir wählen die spannnensten und sinnvollsten aus und setzen sie als Workshops im Projekt um.

Das heißt, wir verbinden z.B. das Streichen der Wände mit einem Workshop zu ökologischen Wandfarben. Für uns sind die Workshops aber auch noch aus einem anderen Grund wichtig.

Welchem?
Zusammen etwas Bleibendes aufzubauen schafft auch ein stärkeres Teamgefühl. Wir sehen die Workshops als verbindendes Element, das Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Herkünften zusammenbringt. Wir können uns austauschen über verschiedene Bauweisen und Erfahrungen in verschiedenen Teilen der Erde und so auch viel voneinander lernen. Freundschaften entstehen. zusammen.halt.bauen heißt unser Projekt und steht eigentlich genau für das. Wir möchten einen Zusammenhalt schaffen innerhalb der Gesellschaft und denken, dass gemeinsames Bauen dafür eine gute Grundlage bietet.

Wie soll es dann nach der 2-jährigen Förderzeit mit dem Projekt weitergehen?
Einer unserer Arbeitsbereiche innerhalb des STRAZE-Projektes ist und wird auch in Zukunft Bildungsarbeit sein. Neben dem Bildungsprojekt verquer., das v.a. themenbezogene Projekttage an Schulen durchführt, soll es auch ein übergreifendes Werkstätten-Bildungsangebot geben. Neben einer Holzwerkstatt wird es eine Näh- und eine Druckwerkstatt geben. Wir wollen die nächsten beiden Jahre nutzen, um in diesem Bereich ein nachhaltiges Bildungskonzept zu entwickeln. Die Workshops sind für uns eine tolle Möglichkeit, diese Art der Bildungsarbeit auszuprobieren, Methoden zu lernen und auszuwerten und so Erfahrungen für die Bildungsarbeit in den Werkstätten zu sammeln.

Dabei ist uns auch eine Vernetzung ins Umland zu befreundeten Partnerprojekten wichtig, mit denen wir auch zusammen Workshops außerhalb von Greifswald durchführen möchten und mit denen wir im Austausch sind, um voneinander zu lernen. Zum Beispiel der Demokratiebahnhof in Anklam oder das Landkombinat Gatschow.